Arbeit ohne Alignment ist wie durch Nebel zu laufen

28.06.2021

Das heutige Führungs-Bild: Wer sein Team ohne ausreichendes Alignment (=gemeinsames Ziel) an die Arbeit setzt, schickt es ohne Karte und Kompass in den Nebel. 






Es war Ende Mai und die Nachmittagssonne schien, leicht von Wolken verhangen, auf unsere kleine 15er-Gruppe. Wir warteten mit den nackten Füßen im kalten, schlammigen Watt, in das wir stehend zentimeterweise tiefer einsanken, während unsere Wattführerin mit der Mistgabel eine Linie vor uns zog. "So, und jetzt tritt jeder an die Linie, schließt die Augen und geht 50 Schritte geradeaus in Richtung der Küste!"

Kurze Zeit später öffneten wir die Augen - und fanden uns in einem weiten Halbkreis wieder. Einen geraden Pfad zwischen Linie und Küste hatte kaum jemand beschritten, die meisten waren einer Bogenlinie gefolgt und hatten sich Schritt für Schritt weiter voneinander entfernt. Der Sinn der Übung: Uns dafür zu sensibilisieren, wie gefährlich Nebel im Watt sein kann. Denn ohne es zu merken hatten wir uns vom vermeintlichen Pfad zurück zur Küste entfernt und waren auseinander gedriftet, jeder in seine Richtung.

Nicht viel anders, als Ihr Team es tun wird. 

Ein gutes Team braucht Alignment

Team können nur dann effektiv und eigenverantwortlich arbeiten, wenn sie ein geteiltes Verständnis von einem gemeinsamen Ziel ("Alignment") haben. Fehlt dieses Ziel, wandert jedes Teammitglied ziellos in den Nebel oder entwickelt ein eigenes Zielbild, das in der Regel nicht mit denen der übrigen Teammitglieder überein stimmt. In kürzester Zeit entfernen sich die Teammitglieder voneinander.

Das Ergebnis dieses Auseinanderdriftens: 

  • Geringe Arbeitseffizienz: Da jeder auf etwas anderes hinarbeitet, aber nicht alle Ziele erreicht werden können, geht Arbeitskraft verloren, die sinnvoll auf ein Ziel hätte ausgerichtet werden können. 
  • Frustration: Da kein geteiltes Verständnis von einem gemeinsamen Ziel besteht, wirken die Handlungen der Teammitglieder aufeinander verwirrend und frustrierend. Jeder hat ein eigenes, implizites Ziel im Blick und versteht nicht, wieso die Anderen nicht auf dieses Ziel hinarbeiten. 
  • Konflikte zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden: Wo jeder eigene Ziele verfolgt, sind Konflikte vorprogrammiert. Da sich die Führungskraft letztlich für das Thema Zielsetzung verantwortlich fühlt, wird er:sie immer ihre:seine Zielvorstellung durchsetzen - die wiederum für alle anderen nebulös bleibt. Anstatt die fehlende gemeinsame Zielvorstellung als Grund zu erkennen, wird die Kompetenz der Mitarbeitenden angezweifelt, was zu stärkerer Kontrolle und in Konsequenz weiteren Eingriffen führt. Mitarbeitenden wird so wiederholt die Verantwortung entzogen, die Motivation sinkt.

Ein gutes Alignment ist eine zwingende Voraussetzung für autonomes Arbeiten. Wer Verantwortung an Mitarbeitende übertragen möchte, muss sich zunächst darüber Gedanken machen, wie er das Alignment des Teams sicherstellt!




Geben Sie Ihrem Team Richtung und Orientierung

Um aus dem Driften im Nebel einen Marsch in die Zukunft zu machen, müssen Sie Ihrem Team zwei Dinge geben.

Das Erste ist ein gemeinsames Ziel. Finden Sie sich zusammen und sprechen Sie über Ihre Zukunftsvision. Machen Sie diese Vision klar und greifbar und halten Sie sie schriftlich fest. Wichtige ToDos sind unter anderem:

Eine gemeinsame Zielsetzung reicht allerdings nicht aus. Ihr Team braucht auch Orientierung. 

Um auf das Beispiel unserer Wattwanderung zurückzukommen: Ein Ziel hatten wir alle klar vor Augen, schließlich war unser Blick kurz vor dem Start noch klar auf die Küste gerichtet. Unser Problem war, dass wir mit geschlossenen Augen ("im Nebel") nicht mehr wussten, wo wir uns im Vergleich zu diesem Ziel befinden. 

Ihr Team benötigt also als Zweites eine regelmäßige Standortbestimmung um zu wissen, wie Sie gemeinsam unterwegs sind.

Als Führungskraft müssen Sie daher sicherstellen, dass das Folgende gesichert ist:

  • Die gesetzten Ziele fristen kein Dasein im Dunkel einer Schublade, sondern sind gut sichtbar im Arbeitsraum des Teams präsent. 
  • Ihre Mitarbeitenden haben Zugriff auf zielrelevante Kennzahlen, um ihre eigene Leistung beurteilen zu können.  Die Kennzahlen müssen regelmäßig und unmittelbar zur Verfügung stehen! Einmalige Informationen pro Geschäftsjahr sind genauso nutzlos wie Kennzahlen, die erst Wochen nach der erledigten Arbeit eintreffen. Aus beidem lässt sich nicht effektiv lernen. 
  • Sie gehen gemeinsam, regelmäßig und in sinnvollem Zeitabstand (z.B. wöchentlich) über die Quartalsziele (z.B. OKRs) und tauschen sich aus, bei welchen dieser Ziele Sie gut und wo Sie schlecht unterwegs sind. Wenige Minuten reichen, um einen großen Effekt zu erzielen! Bei dieser Gelegenheit dürfen Ziele auch hinterfragt und ggf. geändert werden.
  • Sie tauschen sich regelmäßig im Team darüber aus, wieso bestimmte Ziele nicht erreicht wurden, z.B. im Format einer Retrospektive. Im Zentrum steht gemeinsames Lernen, nicht das Finden eines Schuldigen!
  • Am besten sind die Rollen für die Zielerreichung genauso klar definiert wie die Ziele selbst. Jedes Teammitglied sollte genau wissen, wie sein Beitrag zum Erfolg aussieht. 

Der Vorteil eines alignten Teams für Sie als Führungskraft

Das alignte Team ist effektiver, schneller und zufriedener. Das alles sind gute Argumente für mehr Alignment. Aber ganz speziell für Sie als Führungskraft gibt es noch einen weiteren, nicht zu verachtenden Vorteil: funktionierende Selbstorganisation! 

Ein Team, das gut alignt ist, kann deutlich autonomer arbeiten und braucht daher weniger Führung von Ihnen. Wenn Sie also zu denen gehören, die oft abends oder am Wochenende ran müssen und eine Möglichkeit suchen, Ihre eigene Arbeitsbelastung zu reduzieren, dann ist Alignment der magische Zauberstab in Ihrem Toolset. 

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in meinem kostenlosen E-Mail Kurs zum Thema "Arbeitslast reduzieren für Führungskräfte".


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