Verantwortung ist wie ein befremdlicher Kuchen

15.08.2022

Das heutige Führungs-Bild: Haben Sie schon mal einen Green Matcha Brownie für Ihre Kolleg:innen gebacken? Oder einen Schokoladen-Sauerkraut-Kuchen mit Sour Cream Frosting? Und dann festgestellt, dass der Kuchen abends noch immer nahezu unangetastet im Pausenraum steht? Ein bisschen so geht es vielen Führungskräften mit dem Thema Verantwortung.






Verantwortung an Mitarbeitende zu übergeben ist in vielen Unternehmen nicht viel anders, als ihnen einen unbekannten Kuchen zu servieren. Die Führungskraft stellt die Verantwortung auf dem Tisch in der Mitte des Raumes ab, sagt, dass sich jeder bitte bedienen soll, geht dann weg und kommt ein paar Stunden später wieder - nur um festzustellen, dass der Sauerkrautkuchen... Verzeihung.... die Verantwortung noch immer nahezu unangetastet auf dem Tisch steht. 

"Gut", denkt sich dann die Führungskraft, "wenn die keiner will, dann nehme ich die eben wieder mit!"

Und so endet ein kurzer Versuch, die Mitarbeitenden in die Verantwortung einzubeziehen. 

Es geht nicht von Heute auf Morgen

"Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht", ist ein altbekanntes plattdeutsches Sprichwort. So geht es vielen Mitarbeitenden mit dem Green Matcha Brownie. Dabei sind die eigentlich sehr lecker. Nur macht das Aussehen skeptisch. So ist es auch mit Eigenverantwortung. 

In einem Betrieb, in dem Eigenverantwortung lange kein Thema war, weil die Führungskräfte sehr autoritär "regiert" haben, der aber jetzt im Zuge von New Work, Agilisierung oder Holokratie umgestaltet werden soll, ist Verantwortung wie der schimmelig wirkende Brownie: vermutlich ganz lecker, aber wenn man einmal ein Stück auf dem Teller hat, muss man es ganz runterschlingen. Vielleicht lieber erstmal abwarten, was die Anderen so sagen?

Was es braucht ist daher vor allem Geduld und Einfühlungsvermögen seitens der Führungskraft. Und vor allem: eine gute Strategie. Denn Eigenverantwortung zu fördern ist mehr als einfach nur Verantwortung abzugeben. Viele Führungskräfte, die das probiert haben, stellten schnell fest, dass diese Verantwortung  nicht in ihrem Sinne genutzt wurde und schrauben das Ganze wieder zurück - sehr zum Unmut der Mitarbeitenden, die gerade endlich Geschmack daran gefunden hatten. 

Eigenverantwortung braucht Geduld und Unterstützung

Um den Weg in Richtung eigenverantwortlichere Mitarbeitende nachhaltig zu gehen, brauchen Sie als Führungskraft zunächst einmal Geduld. Es kann nicht erwartet werden, dass Mitarbeitende von Heute auf Morgen vom "der Chef entscheidet" zum "wir treffen eigenverantwortliche Entscheidungen"-Modus überwechseln. Verantwortung muss langsam und Stück für Stück übergeben werden, immer begleitet von gutem Coaching. 

Diese Zeit brauchen übrigens auch Sie, denn Sie müssen Ihre Gewohnheiten umstellen. Wenn Sie im Krisenfall der erste sind, der zum Kuchenteller rennt und den Verantwortungs-Brownie wieder an sich reißt, ist Ihre Reise schnell zu Ende.

Viel wichtiger als Geduld ist aber das Verständnis, dass es nicht allein mit der Übergabe von Verantwortung getan ist. Denn dann treffen nach der Übergabe Menschen Entscheidungen, die darin weniger Übung und Wissen haben als die, die es vorher getan haben. Das KANN nur in Chaos enden. 

Eigenverantwortung braucht 5 Säulen, die sie stützen

Damit Eigenverantwortung nachhaltig im Team etabliert werden kann - d.h. die Verantwortung wird angenommen und sinnvoll genutzt, so dass sie nicht wieder entzogen wird - muss sie von 5 Säulen gestützt werden, die gleichzeitig aufgebaut werden müssen. Fehlt eine dieser Säulen, wird die Situation kippen und es endet wieder mit der Rücknahme der Verantwortung durch die Führungskraft - oder in der Akzeptanz des Chaos. 

  1. Autonomie: Wer eigenverantwortlich arbeiten soll, muss auch die Freiheit haben, eigenständige Entscheidungen nach seinem:ihrem Urteil zu treffen. Klingt banal, ist es in der Praxis aber nicht. Viele Chefs fordern von ihren Mitarbeitenden eigenverantwortliches Arbeiten, räumen gleichzeitig aber nur eine Schein-Autonomie ein, die gerade solange anhält, wie die Mitarbeitenden ihre Arbeit in der Weise verrichten, wie es dem Chef gefällt.
  2. Alignment: Eigenverantwortlich arbeiten geht mit Autonomie alleine. Eigenverantwortlich SINNVOLL arbeiten geht dagegen nur mit Hilfe von Alignment. Nur, wenn Ihr Team auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet ist, können Ihre Mitarbeitenden sinnvolle Entscheidungen treffen. Dafür ist es wichtig, sowohl zu wissen WAS zu tun ist als auch, WARUM dies zu tun ist. 
  3. Übung: Eigenverantwortliches Handeln muss geübt werden - sowohl von Seiten Ihres Teams als auch von Ihnen. Es braucht neue Gewohnheiten, die sich nur mit der Zeit einschleifen. Für Sie hilft vielleicht folgendes Sprichwort: Führung ist die Kunst, kleine Katastrophen gelassen geschehen zu lassen!
  4. Transparenz: Diese Säule ist die meiner Erfahrung nach am öftesten Übersehene der fünf Säulen. In ihr steckt daher das meiste Potential. Um eigenverantwortlich zu arbeiten müssen Ihre Mitarbeitenden wissen, wie der aktuelle Zustand (z.B. KPIs) ist und erfahren, wie sich Ihre Arbeit darauf auswirkt - und das möglichst zeitnah. damit ein klarer Zusammenhang zu den getroffenen Entscheidungen erkennbar wird. Viele dieser Reportings werden im Betrieb nicht existieren oder für Mitarbeitende verfügbar sein. Ihre Aufgabe ist es daher, sie aufzubauen!
  5. Motivation: Wenn in Ihrem Team niemand Lust hat, eigenverantwortlich zu arbeiten, dann wird dieses Ziel unerreichbar bleiben. Die schlechte Nachricht ist: Sie haben wenig Möglichkeiten, die Motivation von Menschen zu fördern. Heißt das jetzt, dass Sie den "Kuchen" bei einem demotivierten Team dann gleich behalten sollten? Nein! Die gute Nachricht ist: Menschen sind generell sehr aus sich selbst heraus motiviert. Unser Arbeitsumfeld ist nur sehr gut darin, diese Motivation zu zerstören. Alles, was Sie also machen müssen, ist, mit Ihren Mitarbeitenden zu sprechen und herausfinden, wie Sie und Ihr Betrieb die Motivation Ihrer Mitarbeitenden versehentlich beschädigen - und dann damit aufhören.

Du willst mehr darüber erfahren, wie du die 5 Säulen aufbauen kannst?

Dann schreib dich in meinen kostenlosen E-Mail Kurs zum Thema eigenverantwortliche Teams ein!

Weitere Blogbeiträge

Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich.

Keinen Blogeintrag verpassen?

Hinterlass einfach hier deine E-Mail-Adresse und du bekommst eine Info, sobald ein neuer Beitrag erscheint.

Wir verwenden Sendinblue als unsere Marketing-Plattform. Wenn Sie das Formular ausfüllen und absenden, bestätigen Sie, dass die von Ihnen angegebenen Informationen an Sendinblue zur Bearbeitung gemäß den Nutzungsbedingungen übertragen werden.

Das heutige Führungsbild: Stellen Sie sich vor, eine Person mit einem blutigen Küchenmesser in der Hand spricht Sie an und fragt Sie: "Sag mal, was ich dich schon immer mal fragen wollte - was ist eigentlich dein größter Kritikpunkt in Bezug auf meine Persönlichkeit? Sei bitte ganz offen!" Wie ehrlich würden Sie antworten?

Das heutige Führungs-Bild: Haben Sie schon mal einen Green Matcha Brownie für Ihre Kolleg:innen gebacken? Oder einen Schokoladen-Sauerkraut-Kuchen mit Sour Cream Frosting? Und dann festgestellt, dass der Kuchen abends noch immer nahezu unangetastet im Pausenraum steht? Ein bisschen so geht es vielen Führungskräften mit dem Thema Verantwortung.

Das heutige Führungsbild: Sie sind Jäger. Sie schicken Ihren Jagdhund. Laufen Sie nun neben ihm her und schreien: "Linke Pfote, rechte Pfote, jetzt springen!"?