Wer sind die Piloten auf Ihrem Flugzeugträger?

09.08.2021

Das heutige Führungsbild: 65.000 Tonnen Stahl, 1450 Personen Besatzung, 40 Flugzeuge und Hubschrauber. Auf einem Flugzeugträger wird ein großer Aufwand für wenige Spezialisten betrieben, nämlich die Piloten. Wer steht in Ihrer Organisation im Zentrum? Wenn es die Führungskräfte sind, sollten Sie noch einmal nachdenken...






Ein Flugzeugträger ist ein beeindruckendes Bauwerk. 65.000 Tonnen wiegen die Träger der britischen Queen-Elizabeth-Klasse. Sie erstrecken sich über eine Länge von 284 Metern und einer Breite von 73 Metern - das entspricht in etwa der Fläche von knapp 3 Fußballfeldern. Auf ihnen verrichten rund 1.450 Soldaten ihren Dienst, davon etwa 700 zum Flugzeugpersonal gehörend, untergebracht in 6-Bett-Kabinen.  

Im Zentrum dieses Bauwerks und seiner Mannschaft stehen die Piloten der maximal 40 Flugzeuge und Hubschrauber, welche die Einsätze fliegen. Ein großer Aufwand also, der sich auf die Performance weniger Personen konzentriert - weil jeder weiß, dass es letztlich um genau diese Performance geht. Einige wenige entscheidende Minuten im Einsatz machen den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg der Mission aus. Diese Minuten gilt es seitens Mannschaft und Technik möglichst effizient vorzubereiten - durch die Wartung der Flugzeuge, die Vorbereitung der Piloten und die Logistik des Flugzeugträgers. 

Wer sind Ihre Piloten?

Schwenken wir das Bild auf Ihr Unternehmen. Wer sind bei Ihnen die Piloten? Die Chance steht gut, dass es die Mitarbeitenden in den "untersten Rängen" sind. Vielleicht Produktmanager:innen, Software-Entwickler:innen oder die Servicekräfte an der Theke. In jedem Betrieb gibt es einige wenige Personen, die letztlich einen entscheidenden Einfluss auf den Geschäftserfolg haben. Personen, die nicht nur Dienstleister:innen für andere Bereiche sind. Sie schaffen letztlich die Mehrwerte, auf denen das Unternehmen aufbaut. Aber ist Ihr Betrieb auf diese Personen ausgerichtet? 

Wenn Ihr Unternehmen so funktioniert wie die meisten Unternehmen, die ich von innen kennenlernen durfte, dann ist dem nicht so. Im Fokus der Unternehmensbestrebungen scheinen  die Führungskräfte in den obersten Ebenen zu stehen. Ihr Zeitplan und ihre Ressourcen entscheiden den Alltag im Unternehmen. Haben Sie keine Zeit, wird ein Meeting verschoben. Können Sie nicht dabei sein, wird keine Entscheidung getroffen. Haben sie eine Frage, muss jeder den Stift fallenlassen und sich umgehend zurückmelden. 

Die einfache Logik dahinter ist in der Regel, dass die Zeit dieser Personen mehr kostet. Dass ihre Entscheidungen mehr Tragweite haben. Aber hat ihre Zeit auch mehr Wert? Wenn der Wert im Unternehmen von wenigen Personen geschaffen wird (wie den Piloten auf dem Flugzeugträger), dann macht es mehr Sinn, das Unternehmen so auszurichten, dass diese Personen bestmöglich arbeiten können. Meetings, Prozesse, Schnittstellen und Führung sollten so ausgerichtet sein, dass die Leistung dieser wenigen Schlüsselpersonen maximiert wird. Diese Entscheidung, die Zeit einiger Mitarbeitenden höher zu bewerten als die z.B. der Führung muss nicht automatisch so herum getroffen werden - es braucht eine Abwägung, wo der Wert höher ist. Aber es MUSS eine BEWUSSTE Entscheidung sein. Und in den meisten Unternehmen ist diese bewusste Entscheidung nie in Betracht gezogen worden. 

Wer sind nun die "Piloten"? 

Meistens finden sich diese Personen in der Produktentwicklung, oder zumindest Personen, die weit vorne in der Wertschöpfungskette sitzen. Es sind Produktmanagerinnen, Ingenieure und Software-Entwicklerinnen. Werden sie aufgehalten oder die Qualität ihrer Arbeit gesenkt, hat dies Auswirkungen auf die Qualität des Produkts weiter hinten in der Wertschöpfungskette. Und gegen solche Schwächen kann auch das beste Marketing und der beste Vertrieb wenig ausrichten. 

Machen Sie sich doch einmal Gedanken, wer bei Ihnen ganz vorne in der Wertschöpfung sitzt. Setzen Sie sich mit diesen Personen hin und stellen Sie diesen die Frage, ob sie sich als Piloten fühlen. Ob es irgendetwas gibt, wie man ihnen bessere Rahmenbedingungen für eine höhere Arbeitseffektivität und -effizienz geben könnte. Ob es Strukturen, Prozesse und Personen gibt, die ihnen die Arbeit erschweren - vor allem aus der Führungsstruktur heraus. Und schauen Sie, dass Sie diese Jungs (und Mädels) gut in die Luft bekommen. 

PS: Ist Ihnen in diesem Zusammenhang schon der Begriff der "Maker Time" untergekommen? Wenn nicht, lesen Sie diesen Artikel!

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